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„NOZ berichtet über Endspurt zur Präsentation des ONYX E-Mobils auf der Woche der Umwelt“

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Der Osnabrücker Ingenieur Nicolas Meyer darf einen Prototyp für sein Hanfmobil am 7. und 8. Juni bei der „Woche der Umwelt“ am Schloss Bellevue vorstellen. Bundespräsident Joachim Gauck wird es als eines von sechs Projekten aus der Region Osnabrück unter bundesweit 190 Ausstellern unter die Lupe nehmen. „Ein größeres Lob als von Gauck persönlich empfangen zu werden, kann es für uns nicht geben “, freut sich Meyer.
Fertig ist das etwa 160 Kilo leichte Elektro-Mobil aktuell noch nicht. Den ersten seriennahen Prototyp stellt er erst im Juni 2016 in Berlin vor. Dieser wird dann nicht mehr mit dem Prototyp aus Stahl zu vergleichen sein, den unsere Redaktion im vergangenen Herbst in einem Hanffeld vor dem Innovationscentrum Osnabrück (ICO) vorstellte. Wir haben Meyer auf dem Weg zum Ziel über die Schulter geschaut.

Der Daniel Düsentrieb am ICO

 

Meyer ist der Daniel Düsentrieb am ICO. Er tüftelt, fräst und backt in der Werkstatt seiner kleinen Firma Onyx composites an dem Fahrzeug, das er in vier Monaten dem Bundespräsidenten präsentieren will. Aus hanffaserverstärktem Kunststoff wird das Mobil zwar auch bei der Prototyp-Vorstellung im Juni noch nicht bestehen, dafür aber immerhin aus Glasfaser. Das Hanfmobil, das aufgrund der hohen Hanffaserkosten für den Massenmarkt zunächst ohnehin zu teuer ist, soll später folgen. Die günstigere Lösung aus mit Glasfasern verstärktem Kunststoff wird im kommenden Jahr auf den Markt kommen. „Das Hanfmobil wird wegen des hohen Hanfpreises mindestens doppelt so teuer sein“, erläutert Meyer.

 

So backt Meyer sich ein Glasfaser-Elektro-Mobil

 

Die Blockmaterialien für das Fahrzeug, das einem Liegerad mit Karosserie ähnelt, werden geliefert. Dann fräsen er und seine Mitarbeiter daraus im Fertigungsraum die Vorlage für die Ober- und Unterschale, die Mittelkonsole oder den Kofferraumdeckel. In verschiedenen Lagen legt die Crew die Glasfasern getränkt in Kunstharz auf die Vorlage. Die fertige Vorlage bringen sie später in einen Raum mit einem Holzkasten, der anmutet wie eine große Sauna. 24 Stunden dauert es, bis Meyer aus der Vorlage bei bis zu 80 Grad die Schablone für Dutzende weitere Zweisitzer backt. Es entstehen die Muster für die verschiedenen Bauteile. Danach legt Meyer mit seiner Entourage weitere Glasfaser-Lagen auf die Schablone. In dem zweiten 24-stündigen Backprozess werden die Glasfaserschichten für das Bauteil in der zuvor dafür angefertigten Schablone verbunden. So backt Meyer sich sein Glasfaser-Elektro-Mobil. Die so entstehende Ober- und Unterschale nennt man zweiteiliges Leichtbau-Monocoque. Die Glasfasern könnte er wahlweise auch durch Hanffasern austauschen, worauf er in diesem Jahr aber erst einmal verzichtet, um mit dem Glasfasermobil überhaupt erst einmal den Markt zu erreichen.

 

Zwischenlösung im Rikscha-Motor im Schloss Bellevue

 

Bei dem ersten im Schloss Bellevue vorgestellten Modell wird Meyer eine Zwischenlösung vorstellen. So verwendet er zunächst den schwereren Antrieb einer indischen Rikscha, der bis zur TÜV-Zulassung Ende des Jahres durch einen leichteren deutschen 4-Kilowatt-Elektromotor ausgetauscht wird. „Das größte Problem ist das Akku“, räumt Meyer ein. „Weil die Akkus zu teuer sind und die technischen Bedingungen nicht stimmen, stand das Projekt hin und wieder schon auf der Kippe.“ Deshalb findet die TÜV-Zulassung jetzt auch erst Ende 2016 und nicht wie zunächst geplant schon Ende 2015 statt. „Zurzeit ist das Akku noch 60 Kilo schwer und macht ein Drittel des Gesamtgewichts aus. Später wird das Akku je nach Reichweite zwischen neun und 27 Kilo schwer sein. Für 25 bis 30 Kilo Reichweite wird ein Akkublock von neun Kilo benötigt, für 80 Kilometer Reichweite benötigt man drei Akkublöcke, die in einem Koffer in das E-Mobil eingesetzt werden. Das Maximaltempo beträgt 45 Stundenkilometer. Vorgesehen ist auch, dass das Hybrid-Fahrzeug einen Antrieb-Mix aus Elektromotor und Pedalkraft hat. Für die gesamte Systemtechnik zeigt sich Daniel Mentrup mit seiner Firma iotec verantwortlich. „Der Bordcomputer wird Geschwindigkeit und Wegstrecke anzeigen. Über Bluetooth ist eine Kopplung mit dem Handy geplant. So kann eine App viele Funktionen übernehmen“, erklärt Mentrup.

 

750.000 Euro Entwicklungskosten

 

Bis Ende des Jahres wird die Entwicklung dieses Prototyps laut Meyer rund 750.000 Euro verschlungen haben. 40 bis 45 Prozent der Gesamtprojektkosten förderte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).

 

Wunschtraum: VW soll ein Band für Hanfmobil-Produktion räumen

 

Meyer hofft mit der Projektvorstellung im Schloss Bellevue auf den Durchbruch: „Vielleicht finden wir dort den richtigen Investor. Bei uns kann ein Bauteil pro Tag gebaut werden. So könnten dann aber 100 Bauteile pro Tag gefertigt werden. Entsprechend sinkt dann auch der Preis. Bei 1000 Einheiten pro Jahr kostet unser Glasfaser-E-Mobil 8900 Euro, bei 50.000 Fahrzeugen pro Jahr aber nur noch 6000 Euro pro Fahrzeug.“ Meyer träumt davon, VW davon zu überzeugen, „dass irgendwann ein Band in Osnabrück geräumt wird, um unser nachhaltiges Onyx-Modell zu bauen“. Er rechnet die Kohlendioxid-Einsparung vor. „Mit 160 Kilo Leergewicht kann das Glasfaser-E-Mobil 225 Kilo transportieren. So erzeugt es 98 Prozent weniger Emissionen als ein aktueller Smart Diesel und 80 Prozent weniger Emissionen als ein aktueller VW eUp mit einer Masse von 1200 Kilo.“

- Bericht aus der NOZ vom 16.02.2016

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